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Inhaltsverzeichnis

Technologische Entwicklung im 21. Jahrhundert

Joachim Brunold / 10.02.2015

Informations- und Kommunikationstechnologie

Schon früh im 21. Jahrhunderts werden Computer sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich allgegenwärtig sein. Ihre Leistungsfähigkeit wird laufend (exponentiell) zunehmen. Es erscheint als möglich, dass Computer im Laufe des 21.Jahrhundert die menschliche Intelligenz bezüglich Speicherkapazität, Rechengeschwindigkeit und Zuverlässigkeit überflügeln werden. Sie werden allgegenwärtig werden. Manche Experten sprechen davon, dass zuerst alle Dinge mit dem Computer, danach der Mensch mit dem Computer verschmelzen wird.

  • Steigerung der Leistungsfähigkeit

Bis 2030 wird sich die Steigerung der Leistungsfähigkeit von Chips auf der Basis integrierter Schaltkreise noch fortsetzen. Es sind 2-dimensionale Siliziumchips in Entwicklung, auf denen die Schaltkreise die Größenordnung der Atome erreichen. Für die Computer der Zukunft sind schon heute Techniken in Erprobung, die eine dramatische Steigerung der Rechengeschwindigkeit und Speicherfähigkeit möglich machen werden. Etwa 3-dimensionale Chips mit Tausenden von Schichten, die optische Datenverarbeitung mit Laserlicht, Transistoren aus Kohlenstoffmolekülen (Nanoröhrchen), die um Welten schneller sind. Oder Quantencomputer [2], die mögliche Lösungen millionenfach parallel und rasend schnell berechnen (schon 2012 hat die Firma D-Wave-Systems den ersten kommerziellen Quantencomputer gebaut). Auch versuchen Informatiker, die Architektur von Nervennetzwerken nachzuahmen. 2014 hat IBM einen sogenannten neuromorphen Chip hergestellt, der mit Hilfe von 5,4 Milliarden Transistoren die Leistung von einer Million Neuronen mit 256 Millionen Synapsen bringt. Verglichen mit dem Gehirn sind das bescheidene Anfänge. Jedoch sind bis 2050 noch komplexere Netzwerke geplant.

  • Allgegenwärtigkeit von Computern

Obwohl Computer bisher nur rudimentär in die Lebenswelt des Menschen eingedrungen sind, kann dieser schon heute nicht mehr auf sie verzichten. Weil sie ihm helfen, ihm Spaß bereiten, der Wirtschaft Erfolg bringen etc. wird er sie zukünftig immer mehr nutzen und in sein Leben einbinden. Bis zum Jahre 2020 wird ein Zustand erreicht sein, bei dem jeder Haushalt im Besitz von ca. 100 verschiedenen Computern sein wird, von denen er mindestens ein Dutzend ständig am Körper mit sich herumträgt. Die Gegenstände werden miteinander kommunizieren. Schon heute werden RFID-Systeme (siehe auch: RFID im Blick [3]) sich massiv verbreiten. Winzigste RFID-Transponder werden in alle Handelsware eingebaut sein. Mit ihrer Hilfe werden Gegenstände und Lebewesen automatisch identifiziert und lokalisiert werden können. Bis 2030 ist vorstellbar, dass die Nanotechnologie so weit fortgeschritten ist, dass mit ihr Schaltkreise in jeden Gegenstand des täglichen Lebens eingebaut werden und mit ihnen so integriert sein werden, dass sie völlig unsichtbar sind. In jeder Wand, jeder Tapete, jedem Fenster, d. h. in allem, was uns umgibt, wird sich ein rechnender Chip befinden, der mit dem Internet verbunden ist. Unsere Umgebung wird intelligent. Ein Raum wird bemerken, wenn wir ihn betreten, und er wird dafür sorgen, dass an den richtigen Stellen das Licht angeht und eine vernünftige Temperatur herrscht. Manche Forscher gehen davon aus, dass noch vor Ende des 21. Jh. Computer zunehmend in unserer Umgebung aufgehen, unsichtbar werden und lautlos unsere Befehle ausführen. Es wird Computer geben, die als persönliche Assistenten praktisch alle Tätigkeiten des Menschen als seine Stellvertreter selbständig ausüben können. Anstatt über Tastaturen werden Daten zunehmend per gesprochene Sprache eingegeben werden. Auch werden viele Geräte die Stimme ihrer Besitzer erkennen und über diese gesteuert werden.

  • Big Data – unendlicher Speicherplatz

Big Data wird vor allem bezüglich seiner Risiken diskutiert (unberechtigter Zugriff auf Daten, Manipulation der User, Überwachung durch Unternehmen oder Staat, Kriminalität etc.). Big Data ist aber auch die elementare Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Informationstechnologie und für zahlreiche neue, grundlegende Anwendungsfelder. Ohne Daten keine Kommunikation, keine künstliche Intelligenz, keine Assistenzsysteme, keine Anwendungen im Medizinbereich etc. Es wird zur Tatsache: alle Informationen werden gespeichert werden und dies auf Dauer. Daten über jeden einzelnen Menschen (und seiner Umgebung) aus dem Gesundheitssystem, von Banken und Versicherungen, von Behörden, von Telefongesellschaften. Bei der Datenspeicherung wird zunehmend die Technik der Holografie eine Rolle spielen. Der Computer wird nicht nur "Jugendsünden" nicht vergessen. Er wird die DNA, die Gesundheitsdaten, sein Sozialverhalten etc. speichern und auswertbar machen. Zum Guten – wie zum Schlechten. Deshalb bedarf Big Data der politischen Lenkung.

  • Entwicklung der Vernetzung

In den kommenden Jahren wird das Internet noch schneller werden. 2020 wird im Internet eine Geschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde Standard sein. 2025 werden es schon 195 und 2030 knapp 400 Megabit pro Sekunde sein. Um 2030 wird die gesamte Menschheit an das Internet angeschlossen sein und damit an das universelle Kommu-nikationsnetz und den größten Wissensspeicher aller Zeiten. In Afrika wächst die Flächenabdeckung von draht-losen Netzen exponentiell. Bereits 2020 sollen 70 Prozent der Fläche versorgt sein. Diese Vernetzung ist – positiv betrachtet – die Voraussetzung für die Teilhabe aller Menschen an der weiteren informationstechnischen Entwicklung.

Vorankommen der künstlichen Intelligenz

Gemessen am Ziel, Ende des 21. Jahrhunderts, einen ‚denkenden Computer‘ verfügbar zu haben, befindet sich die künstliche Intelligenz noch in rohen Anfängen. Dazu gehören Roboter die ihr eigenes Programm optimieren können, etwa der Staubsauger, der sich Abmessung und Gegebenheiten des zu säubernden Raumes merkt und seine Bahnen danach einstellt. Bereits heute verfügt die NASA über Programme, die ein zu entwickelndes Produkt zunächst definieren, die dann eine erste Generation möglicher Produkte nach dem Zufallsprinzip erzeugt um dann, wie bei der Evolution, die ungeeigneten Produkte zu eliminieren ("natürliche Auslese") und bessere Versionen herzustellen ("Mutationen"). Dieser Prozess wird solange fortgesetzt, bis das Endprodukt "perfekt" ist. Probleme unterschiedlichster Art können mit Hilfe solch evolutionärer Algorithmen gelöst werden. Der neuronale Computer von IBM wird zwar nicht denken können, aber eine immer intelligentere Maschine werden, mit der Fähigkeit, Informationen aus sehr unterschiedlichen und inhaltlich weit entfernten Quellen zu verknüpfen, um daraus neue Erkenntnisse zu gewinnen. D.h. aus ihnen zu lernen („Cognitive Computing“). Kognitive Computersysteme wiederum werden die Grundlage bilden für Assistenzsysteme, die dem Menschen helfen werden, sich in der wachsenden Informationsflut von Big Data und in hochkomplexen Systemen zurecht zu finden, sei es in Wettervorhersage, Wirtschaftsprognose, Verkehrssteuerung oder im eigenen Haus.

Erweiterung der Wahrnehmung

Einen Großteil ihrer Information beziehen Menschen über Bilder, weit weniger über das Lesen. Bei der Suche nach realen Gegenständen oder Menschen helfen bisherige Suchsysteme (Google, Siri) wenig. Suchsysteme der ‚Augmented Reality‘ sind hier die Zukunft. Die Bilderkennungstechnologie wird bald ein Auge sein, das Objekte automatisch erkennt und Informationen dazu aus dem Netz einholen wird. Die Anwendungsmöglichkeiten von AR-Lösungen sind schier unbegrenzt. Mit Hilfe einer Datenbrille oder Kamera kann schon heute ein Objekt identifiziert werden. Die Autohersteller Landrover und Jaguar haben unlängst eine virtuelle Windschutzscheibe vorgestellt, die dem Fahrer wie in einer Rennsimulation Geschwindigkeit, Ideallinie und Zwischenzeiten einblendet. Ikea wiederum hat eine App entwickelt, mit der sich Möbelstücke frei im Raum platzieren lassen. In dem neuen Augmented-Reality-Katalog sind verschiedene Produkte mit einem 3-D-Icon verbunden. Durch einen Klick erscheint das Symbol. Gleichzeitig wird die Kamera aktiviert. Im Handumdrehen landen die Möbel in der virtuellen Wohnung. In Kürze sollen Nutzer von Amazon Flow mit ihrer Smartphone-Kamera Gegenstände abfotografieren und auf Amazon bestellen koennen. Statt einen Barcode abzufotografieren oder einzuscannen, erkennt Flow Objekte anhand ihrer Form, Größe, Farbe und Banderole. Ein Klick, und das Produkt kann bestellt werden. Schon ab 2030 wird die dreidimensionale Computergrafik über Brillen bzw. Helme direkt auf die Retina projiziert werden. Dann wird das vollständige Eintauchen in eine in Echtzeit computergenerierte, interaktive virtuelle Umgebung zur Realität werden. Menschen werden nicht nur immer mehr Zeit in virtuellen Welten verbringen. Sie werden sich in Echtzeit unterhalten, in simulierten Umgebungen, als echte Personen (Konferenz) oder in Treffen von Avataren (virtuelle Welten). Man kann sich eine nicht so entfernte Zukunft vorstellen, in der Fremde uns in der Straße erkennen und wir Fremde in der Straße erkennen werden, jeder wäre in der Lage, mit Augmented-Reality-Geräten Rückschlüsse auf sensible Informationen zu ziehen.“

Simulierte Welten

Durch die Computerspiele wird der Mensch auf ein Leben im virtuellen Raum vorbereitet und allmählich ein virtueller Körper geschaffen. Bildschirme in Brillen eingebaut, visuelle Helme mit 3D-Sicht und Stereoton, Joysticks mit taktiler Rückkopplung, haptische Schnittstellen, Anzüge mit rundum taktiler Oberfläche und geruchserzeugender Schnittstelle sind die Stufen dieser Entwicklung. Schon 2040 könnte der Nutzer den Eindruck gewinnen, physisch in eine virtuelle Welt einzutauchen, etwa wenn verschiedenfarbige Teppiche oder Tapeten im Haus projiziert werden, wenn man durch ein Haus läuft. Wirklichkeit und Virtualität verschmelzen; die Informationen legen sich wie eine Folie über die Wirklichkeit – gewissermaßen als zweite Ebene. Im späten 21.Jahrhundert werden nanotechnische intelligente Schwärme von Foglets um einen Menschen eine beliebige virtuelle Umwelt aufbauen, wie er sie gerade haben möchte (ähnlich dem virtuellen Raum in Raum-schiff Enterprise). Der letzte Schritt waere die virtuelle Erzeugung der Gefühle direkt im Gehirn durch Neuroimplantate, so daß alle die verschiedenen Sinneseindrücke nicht mehr benötigt werden.

Einsatz von Robotern

Die heute noch ziemlich dummen Roboter für den Privathaushalt (Rasenmäher) täuschen über das ungeheure Potential der Roboterentwicklung hinweg. Sie sind ein Anfang, denn die Intelligenz von Robotern nimmt rasend schnell zu. Bis 2030 sollen sie die Intelligenz von Säugetieren, bis 2040 diejenige von Primaten und ab 2050 diejenige von Menschen haben. Sie werden zunehmend lernfähig sein (durch Nachahmung, Reflexion, Vorausdenken etc.) und dank unterschiedlicher Konstruktionsformen auch Aufgaben übernehmen, die Menschen nicht erledigen können. In Fabriken und Krankenhäusern sieht die Welt schon heute anders aus. Zwei Fünftel der amerikanischen Krankenhäuser setzen bereits Roboter bei Operationen ein. In Japan sind schon mehr als 370.000 Roboter im Einsatz. Sie werden nicht nur für die Produktion (Montage, Schweißen etc.) eingesetzt, sondern auch für den Empfang im Foyer von Firmen und Behörden oder für die Überwachung von Gebäude. Bis 2025 sollen sich in Japan allein in der Industrie mehr als eine Million Roboter im Einsatz befinden. Bis 2030 sollen Privatpersonen ihre Einkaufsliste an einen Supermarkt senden können. Dort soll ein Roboter die Ware zusammenstellen, den Kunden bei der Abholung begrüßen und ihn zu seinen Produkten führen. Zugleich soll er Vorschläge zum weiteren Einkauf machen. In Kantinen und Heimen werden Roboter Gemüse schneiden, Sushi-Gerichte garnieren, Essen servieren und Pflegebedürftige füttern. Sie sollen gehbehinderte Menschen transportieren und Patienten nach Operationen bei der Rehabilitation helfen. In Japan gibt es jetzt schon einen Roboterkoch, der Fast-Food-Gerichte zubereiten kann, und einen Roboter, der sehr gut Flöte spielt.

Auch im militärischen Bereich werden Roboter eine große Rolle spielen. Sie können bereits für das Erkunden feindlichen Terrains, den Transport schwerer Lasten, die Minensuche und das Sprengen von Bomben eingesetzt werden. In Zukunft wird es eine Kriegsführung geben, bei der Drohnen und Kampfroboter die "militärische Drecksarbeit" erledigen. Neben bewaffneten oder Bomben tragenden Drohnen wird es dann auch insektengroße geben, die beim Erkunden feindlicher Stellungen unbemerkt bleiben. Erste Modelle wie der "Nano-Kolibri" von Aerovironment oder die "SilMach-Libelle" werden bereits erprobt.

Schon ab 2020 sollen autonome Roboter nach Naturkatastrophen die Sucharbeit nach menschlichen Überleben-den übernehmen. „Tumbleweed“ von IBM, ein ballförmiger Roboter, soll losgeschickt werden, die Lage und Identität von verletzten oder eingeklemmten Menschen festzustellen und Rettungstrupps zu ihnen leiten zu können. Das Gerät würde auch die Umfeldrisiken abwägen und Vorschläge für die beste Rettungsstrategie machen. Außerdem könnte es beruhigen auf die Opfer einreden oder ihnen sagen, was sie selbst tun können, um sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien.

Gegen Ende des Jahrhunderts sollen Roboter ihre eigenen "Nachkommen" konstruieren, die immer besser - und den Menschen weit überlegen - sein werden. Da sie nicht atmen müssen und sich für längere Zeit abschalten können, werden sie weit ins Weltall vorstoßen können und könnten auf dem Mond und anderen Planeten Bergwerke und Fabriken betreiben. Sie werden ihre Form je nach Aufgabenstellung verändern, da sie aus Modulen bestehen, die sich in immer neuen Formen zusammensetzen lassen. So können sie verschiedenste Aufgaben für die Menschen erledigen. Sie reparieren die Infrastruktur der Städte. Rohrsysteme, Leitungen, Straßen und Brücken. Sie werden als Chirurg, Koch oder Musiker eingesetzt. Überall, wo größte Präzision gefragt ist. Verschiedene Wissenschaftler erwarten für diese Zeit auch, dass Roboter auch ein dem Menschen ähnliches Bewusstsein und Gefühle haben werden. So könnten Wut, Liebe oder Freude täuschend ähnlich simuliert werden.

Entwicklung der Materialtechnik

Zukünftig ist die Produktion von Materialien denkbar, die immer leichter und stabiler werden, die mit neuen elektrischen und magnetischen Eigenschaften ausgestattet werden. Dabei wird die Nanotechnologie eine führende Rolle spielen. Seit einigen Jahren werden in der Industrie zunehmend Nanopartikel eingesetzt, die aus wenigen bis einigen tausend Atomen oder Molekülen bestehen. Beispielsweise werden Nanoteilchen aus Titandioxid, Carbon Black, pyrogenen Kieselsäuren, Siliziumdioxid usw. in der Kosmetik (für die optische Faltenreduzierung, als UV-Filter in Sonnenschutzcremes usw.), bei der Herstellung von Farben (als Effektpigmente, als Bindemittel, für selbstreinigende Oberflächen), in der Elektronik (zum Polieren von Silizium-Wafern), in der Medizintechnik (als Transportmedium für Medikamente, für die antibakterielle Beschichtung von Instrumenten, als Kontrastmittel für bildgebende Verfahren, für biokompatible Implantate), in der Reifenindustrie (zur Erhöhung der Abriebbeständigkeit, Haftung und Elastizität) und bei der Herstellung von Kunststoffen (als Verdickungsmittel, als Schwarzpigment) eingesetzt.

Nanoröhrchen aus Kohlenstoff sind härter als Stahl, leiten Elektrizität nahezu widerstandslos, filtern Substanzen, die durch sie hindurch laufen, und können in ihrem Inneren andere Materialien speichern. In der Fertigung sollen kleinste Geräte und Motoren entstehen. Beispielsweise wurde an der University of Michigan der "Micro Mote" entwickelt: Es ist so groß wie ein Sandkorn, enthält einen Prozessor und einen Datenspeicher, besitzt eine Internetverbindung und ist dank einer Solarzelle vom Stromnetz unabhängig.   Nach 2050 werden sich Computer mit Hilfe von Nano-Chips weiter drastisch verkleinern lassen. Schon vorher soll es in der Medizin möglich werden Nano-Moleküle zu nutzen, um Antikrebsmedikamente im menschlichen Körper an den Einsatzort zu bringen. Später wird das sogenannte "Nanoauto" in der Chirurgie Reparaturarbeiten im menschlichen Körper erledigen. Von Magneten durch unseren Blutstrom gelenkt, werden sie direkt zum erkrankten Organ geführt und operative Eingriffe vornehmen.

Am Ende dieser Entwicklung (Zeitpunkt nicht absehbar) soll die programmierbare Materie stehen, Software die Gestalt der Dinge bestimmen. Forscher bei Intel arbeiten daran, die Gestalt der Dinge auf Knopfdruck verändern zu können. Computerchips in der Größe eines Sandkorns richten sich durch elektrische Ladungen aus und nehmen so unterschiedlichste Gestalt an. Zu Ende gedacht: wenn etwa ein Möbelstück nicht mehr gefällt soll es zu einem anderen programmiert werden können. Besonders mutige Forscher halten es für möglich, dass Ende des Jahrhunderts eine ‚Maschine‘ entsteht, die alle denkbaren Produkte aus einzelnen Atomen und Molekülen zusammensetzt (Replikator). Dazu braucht es Nanoroboter, die sich selber reproduzieren können.

Nie mehr krank? Ewiges Leben?

Computer helfen schon heute, große Datenmengen besser auszuwerten und dadurch Krankheitsbilder besser zu analysieren oder verbesserte Medikamente zu entwickeln. Schon vor 2030 werden sie zu leistungsfähigen Assistenzsystemen für Ärzte und Krankenpfleger werden. Im Test befindet sich z. B. ein System, das Unmengen von Patientendaten nach Mustern und Erkenntnissen aus sehr unterschiedlichen Quellen durchsucht, Verknüpfungen herstellt und daraus neue Erkenntnisse gewinnen kann. Mit denen es den Arzt in der Diagnostik, der Therapie und der Medikation unterstützt (Zugriff auf einen größeren Erfahrungsschatz, als er ihn selbst besitzt). In nicht zu ferner Zukunft könnten intelligente Thermometer nicht nur die Körpertemperatur messen, sondern auch bakterielle Verunreinigungen anhand ihres typischen Geruchs erkennen und, gestützt auf intelligente Assistenzsysteme, Behandlungsalternativen vorschlagen.

Schon 2030 könnte ein ganz normaler Tag mit einem automatischen Gesundheitscheck beginnen. Beim Zähne-putzen würde der menschliche Körper von Sensoren gescannt. Vielleicht direkt vom Hightech-Badezimmer-spiegel oder mit Hilfe eines Miniatur-Tomographen (eventuell im Smartphone integriert). Besonders das krebserregende Gen p53 könnte zeitnah beobachtet werden. Sollte hier ein Befund vorliegen, würde ein intelligentes Computerprogramm die Krankheit diagnostizieren und eine Behandlung vorschlagen. Wer will könnte direkt mit einem virtuellen Arzt sprechen, der als Hologramm in Ihre Wohnung projiziert wird. Nur bei unerklärlichen Phänomenen würde ein "echter" Arzt direkt mit seinem Patienten kommunizieren. "Direkt" heißt in diesem Fall: per Videotelefon.

Durch Technologieentwicklung wird der Mensch seine Lebenszeit nicht nur weiter verlängern können, er wird den eigenen Alterungsprozess aktiv steuern können. Dazu werden nicht nur ein gesünderer Lebenswandel und die frühe Erkennung von Krebs beitragen, sondern auch die Reparatur defekter Gene (das Leben der Zellen wird verlängert). Dabei wird die Stammzellenforschung besonders wichtig sein, denn Stammzellen haben die Fähig-keit, sich in jeden Zelltyp des menschlichen Körpers zu verwandeln. Sehr viele Krankheiten werden durch ihren Einsatz heilbar. Sollte ein Organ erkrankt sein, wird direkt ein neues bestellt, gezüchtet aus Ihren eigenen Zellen.

Die Entwicklung von Cyborgs und Androiden

Immer mehr Organfunktionen des Menschen können erfolgreich ersetzt werden, sei es durch Plastik, Nanomaterial oder Stammzellen. Schon heute gibt es künstliche Haut, Knochen und Blutzellen, Fingerspitzen, Ohren, Harnröhren und Herzklappen, die aus körpereigenen Stammzellen gezüchtet wurden. In Zukunft werden Blinde dank Sehprothese, Sehchips oder elektronischem Auge wieder sehen können, Gehörlose dank eines Cochleaimplantats wieder hören können, körperlich Behinderte ihre bionische Prothesen direkt über das Nervensystem steuern oder durch einen Gehirnschlag Gelähmte werden einen Roboterarm über ein Interface in der Hirnrinde bewegen können. Bei einem heue bereits verfügbaren Hightech-Arm ist die Hand fast so beweglich wie eine Menschenhand. Bei der US Air Force befindet sich ein Pilot mit einem künstlichen Bein im aktiven Dienst. Es gibt schon sogenannte Exoskelette, mit deren Hilfe Menschen trotz gelähmter Beine gehen - oder gesunde Menschen schwere Lasten tragen - können.  Forscher gehen davon aus, dass die Funktionen des Herzens, der Nieren und des Pankreas bis Mitte des 21. Jahrhunderts längerfristig von künstlichen Systemen übernommen werden können. Die Funktionen von Lunge und Leber seien hingegen sehr komplex und werden wohl erst nach Ende des 21. Jh. substituiert werden können. Dann soll ebenfalls die Leistungsfähigkeit des Gehirns mit Hilfe von Implantaten (Bio-Chips, Schnittstellen) nicht nur verbessert werden. Vielmehr soll der Mensch Maschinen steuern oder direkt auf das Internet und die dort gespeicherten Wissensbestände zugreifen können.

Die Verbesserung der Leistungsfähigkeit dieser Implantate wird dazu führen, dass ein damit ausgerüsteter Mensch eine höhere Leistungsfähigkeit als ein normaler Mensch erreichen wird. Auf diesem Wege wird der Mensch der Zukunft sich selbst konstruktiv verbessern. Es koennte der Zeitpunkt kommen, an dem der Mensch in seinem Wesen stärker durch seine intelligenten Implantate bestimmt ist als durch seine ursprünglichen biologischen Grundlagen. Die Zeit des Cyborg ist angebrochen. Manche Technikaussagen erreichen hier faschistische Züge, indem sie vom stärkeren, neuen, perfekten Menschen sprechen.

Androide (und Roboter) werden auch immer besser kommunizieren können. Roboter "Jules" von Hanson Robotics etwa kann bereits komplexe Konversationen mit seinen menschlichen Gesprächspartnern führen. Bis 2040 könnten Androide Spielkameraden von Kindern oder Lebensgefährten von vereinsamten Senioren sein.

Die Möglichkeit Körper zu erschaffen wird zwingend zu menschenähnlichen Robotern, den Androiden, führen. Der Androide "Repilee Q2" wurde der japanischen TV-Moderatorin Ayako Fujii nachempfunden und er wirkt auf den ersten Eindruck wie ein Mensch. Nach 2050 könnte es geschehen, dass eine Unterscheidung von Mensch und Android schwer wird. Wird sich tatsächlich eine derart komplexe "Mensch-Maschinen-Zivilisation" herausbilden?

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