Bildworkflow-Fallstudie-Augsburger Allgemeine
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Seit mindestens zwei Jahren wird bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung zu 100% mit digitalen Bildern gearbeitet. Für die 18 Ausgaben der Augsburger Allgemeinen Zeitung werden durchschnittlich 600 Bilder pro Tag verarbeitet, davon stammen etwa 200 von Agenturen, der Rest von eigenen Fotografen, von Lokalredakteuren und freien Mitarbeitern.
Zur Bildoptimierung sämtlicher Bilder wird die Software Intellitune von Agfa eingesetzt. Die Bildqualität der Fotos für die fünf Hauptausgaben wird in einem zweiten Schritt von einem Mitarbeiter überprüft; bis zu 20% davon werden manuell nachbearbeitet. Nach Aussage von Herbert Koch, als Leiter Qualitäts- und Output-Management verantwortlich für den Bildworkflow bei der Augsburger Allgemeinen (http://www.augsburger-allgemeine.de), sind es häufig Bilder von eigenen oder freien Mitarbeitern, die manuell korrigiert werden müssen, seltener die Agenturbilder. Intellitune wird bei der Zeitung seit ca. dreieinhalb Jahren (aktuell in der Version 3.2) eingesetzt und hat zu einer Reduzierung der in der Bildbearbeitung beschäftigten Mitarbeiter von früher sechs auf heute vier geführt.
Dass das Qualitätsspektrum der Bilder von den freien Mitarbeitern sehr breit ist, hat seine Gründe: Zum einen werden unterschiedlichste Digitalkameras eingesetzt, auch Billiggeräte ("nur von Handys haben wir noch nichts gekriegt"), und zum anderen ist es, wie Koch betont, um das Fachwissen oft nicht allzu gut bestellt. Im vergangen Jahr wurde darum in allen Lokalredaktionen eine interne Schulung für Bildreporter, freie Fotografen und Redakteure (die auch fotografieren) durchgeführt. Dies soll im Herbst dieses Jahren in Augsburg wiederholt werden. Bei diesen Unterweisungen werden den Teilnehmern von einem erfahrenen Mitarbeiter Tipps und Tricks an die Hand gegeben, wie sie bessere Fotos erzeugen können. Ferner denkt man in Augsburg zurzeit darüber nach, für alle Interessenten einen Newsletter zum Thema Bildbearbeitung zu starten, der etwa in vierteljährlichen Abständen erscheinen könnte.
Was die eingesetzten Kameras angeht, könne man, so Koch, bei fehlerhaften Bildern, die mit Profi-Geräten gemacht wurden, mit entsprechender Nachbereitung meist immer noch etwas herausholen, bei schlechten Bildern von einer primitiven Kamera sei aber manchmal einfach nichts zu retten. "Da kommt es immer wieder vor, dass auch unbrauchbare Bilder dabei sind, weil z. B. kein Weißabgleich gemacht wurde."
Koch betont, dies müsse aber nicht heißen, dass nicht auch einfache Kameras gute Bilder liefern könnten, wenn der Fotograf damit umzugehen weiß. Der Kamerabenutzer hat eben – wie früher auch – wesentlichen Einfluss auf die Bildqualität.
Der Bildworkflow
Wenn die Fotografen in die Redaktion kommen und ihre Bilder von der Kamera herunterladen (entweder per USB-Kabel oder über ein Kartenlesegerät), speichern sie sie in der Datenbank ab, wo sie zunächst allesamt einer automatischen Bildbearbeitung mittels Intellitune unterzogen werden und in einem Folder für bearbeitete Bilder landen. Die für die Hauptausgaben bestimmten Bilder werden dabei (anhand der Namenskonvention) zur Kontrolle in einen Extra-Folder ausgeschleust. Am Ende landet alles in der Mosaic-Bilddatenbank des alfa-NewsSuite-Redaktionssystems. Aus dem Redaktionssystem heraus hat der Redakteur Zugriff auf die Bilder, kann die Bildauswahl treffen und auch bestimmen, welche Bilder archiviert werden sollen. Archiviert werden alle Bilder, die veröffentlicht werden, sowie alle von der Redaktion entsprechend markierten Fotos. Der Redakteur baut die Bilder in die Seite ein.
Die digitalen Bilder werden als JPEG-Dateien geliefert. Bei der automatischen Intellinet-Verarbeitung werden sie in TIF-Bilder umgewandelt. Bei der Überstellung in die Mosaic-Bilddatenbank wird für jedes Bild gleich ein Preview-Bild (Low-Res JPEG) erzeugt. Die echten Bilddaten, die verarbeitet werden, sind TIF-Daten. Die Workflow-Steuerung übernimmt praktisch die Mosaic-Software.
Alle Fotos müssen von den Fotografen selbst verschlagwortet werden. Dazu wird die Software Fotostation von Fotoware eingesetzt. Sobald der Fotograf seine Bilder von der Kamera heruntergeladen hat, also noch bevor die Fotos mit Intellitune bearbeitet werden, muss er sie verschlagworten und die Basisdaten in entsprechende Felder eingeben. Einigen freien Fotografen, die regelmäßig Bilder für die Zeitung liefern, wurde ein Zugang zum FTP-Server eingerichtet, sodass sie ihre Bilder direkt dort ablegen können. Ihnen wurde auch die Fotostation-Software zur Verfügung gestellt, auf der sie ihre Bilder sichten und verschlagworten können. Ansonsten muss die Verschlagwortung von einem Mitarbeiter der Redaktion gemacht werden; in diesem Fall sind die Informationen zum Bild der E-Mail zu entnehmen. Über FTP-Server oder per E-Mail eingehende Bilder werden dann in den normalen Workflow übernommen; anhand der Namenskonventionen werden die Bilder auf die entsprechenden Ausgaben verteilt.
Für die Archivierung setzt man in Augsburg Digital Collections-Software ein. Archiviert werden Bilder und Artikel, aber auch alle Seiten (die automatische PDF-Erstellung von einer Seite wird gleichzeitig mit ihrer Belichtung veranlasst). Der Redakteur entscheidet, welche Bilder zusätzlich archiviert werden sollen. Alles, was für die Archivierung gekennzeichnet wurde, läuft über Nacht automatisch in das Archiv ein.
Nutzen
Hat die durch die digitale Fotografie gewonnene Zeit den Stresslevel in der Redaktion gesenkt? "Seit wir komplett digital produzieren, sind wir deutlich aktueller geworden", sagt H. Koch. "Wir haben schon ein paar Stunden gewonnen, aber die Redaktion drängt natürlich auch darauf, dass diese eingesparte Zeit genutzt wird, das heißt die Zeitung muss auch deutlich aktuellere Inhalte enthalten. Der Schlussstress ist vermutlich der gleiche oder er ist vielleicht sogar noch gestiegen."
Optimierungsbedarf
Verbesserungsbedarf im aktuellen Workflow sieht Koch bei der Anzahl der nachzubearbeitenden Bilder. "Hier hoffen wir auf Agfa, auf eine neuere Version von Intellitune." Zum anderen gebe es das Problem mit zu großen Bilddateien auf der Seite, obwohl sichergestellt werde, dass ein Bild in Farbe nicht höher als mit 240 dpi angelegt ist. Die großen Dateien hätten andere Ursachen: Wenn der Redakteur das Bild z. B. 5-spaltig auswählt und dann einen 2-spaltigen Ausschnitt nimmt, dann sei das heute im Redaktionssystem möglich. Da kein Clipping mehr erfolgt, steht bei der Belichtung der Seite das Bild im Hintergrund nach wie vor in der vollen Größe, so wie der Redakteur es importiert, obwohl letztendlich nur ein Bruchteil davon verwendet wurde. Neben der Erzeugung riesiger Datenmengen kann auch die Bildbearbeitung nicht mehr stimmen, weil Intellitune das Bild in seiner Gesamtheit optimiert hat. Wenn der dunkelste und der hellste Bildpunkt, die als Referenzen für die Bildbearbeitung dienen, außerhalb des gewählten Bildausschnitts liegen, dann leidet die Bildqualität darunter. Dieses Problem soll bei der Augsburger Allgemeinen in nächster Zeit angegangen werden. Dazu könnte, wie H. Koch erläutert, der Workflow dahingehend geändert werden, dass der Redakteur den Bildausschnitt bestimmt (mit einer Zugabe von ca. 10 % rundum) bevor das Bild mit Intellitune optimiert wird. Damit könne man sicherstellen, dass die Bildqualität stimmt und die Datenmengen begrenzt werden. "Das wird die große Aufgabe für dieses Jahr."
mehr zur Software: [1]

