Business Intelligence

Aus P3wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Definition

"intelligence": hier in der Bedeutung von "nachrichtendienstliche Aufklärung". Eine eindeutige Definition des Begriffs Business Intelligence (BI) liegt noch nicht vor. Hier wird BI als Prozess der Aufklärung, d. h. der Sammlung, Speicherung und Auswertung geschäftsrelevanter Sachverhalte mit nachrichtendienstlichen Mitteln definiert.

Der Begriff BI wird in jüngster Zeit aus marketingpolitischen Gründen von Softwareanbietern häufig auf wenn auch fortgeschrittene Reportinglösungen reduziert. Dies wird dem eigentlichen, weiterreichenden Anspruch von BI jedoch nicht gerecht.

Im Gegensatz dazu ist das Controlling primär intern orientiert und bedient sich überwiegend der Datenbasis und der Methoden des klassischen, kaufmännischen Rechnungswesens sowie darauf aufbauender Methoden der Planungs- und Kontrollrechnung.


Detail

Das Knowledge-Management unterscheidet sich von BI dadurch, dass es neben den instrumentellen Fragen auch kulturelle und organisationale Aspekte, wie z. B. das organisationale Lernen, die Ausbildung von Mitarbeitern und das Teilen bzw. Verbreiten von Informationen behandelt.

BI schließt als Oberbegriff die Unterbegriffe Competitive Intelligence (CI, Wettbewerbsanalyse) und Market Intelligence (MI, Marktforschung) mit ein. Schließlich kann auch die aufklärende Beobachtung produkt- oder verfahrensrelevanter technologischer, rechtlicher, sozioökonomischer und politischer Entwicklungen subsumiert werden. So kann z. B. die Verschiebung des Verbraucherverhaltens von traditionellen Kommunikations- und Verkaufskanälen hin zum Internet aufgrund ihrer Relevanz für den Geschäftserfolg Gegenstand von BI Aufklärungsbemühungen sein.

Das Thema BI genießt hohe Aktualität und stößt auf zunehmendes Interesse durch das Management. Frühindikatoren hierfür sind ein steigendes Angebot an Ausbildungsgängen und Seminaren, die Bildung von Competence Centern in größeren Beratungsunternehmen sowie das zunehmende Angebot an entsprechenden Softwaretools.


Mögliche Informationsquellen

Als Informationsquellen kommt ein weites Spektrum interner und vor allem externer Quellen in Betracht. Hierzu zählen u. a.:

  • Nachrichtenagenturen
  • Presseerzeugnisse
  • Korrespondentenberichte
  • Internet
  • Wirtschaftsdatenbanken
  • Unternehmensveröffentlichungen
  • Bewertungen von Finanzanalysten etc.

Zunehmend werden dabei auch persönliche und institutionelle Beziehungen genutzt. Hier kommen als Partner die

  • Hausbanken eines Unternehmens
  • die staatliche Stellen wie z. B. Botschaften, Ministerien und Nachrichtendienste, sowie
  • professionelle Organisationen u. v. m. in Betracht.

Umstritten bleibt, inwieweit auch illegal erlangte Erkenntnisse Eingang in den BI-Prozess finden sollen. Dies ist jedoch letztlich eine Entscheidung der Unternehmenspolitik.


Zentrale Bedeutung: Datenbank

Von zentraler Bedeutung ist die schnelle und umfassende Erfassung in einem meist datenbankgestützten (Datenbank), konsistenten elektronischen Informationssystem (Data Warehouse, Information Warehouse oder Knowledge Warehouse), das allen Beteiligten die gezielte, schnelle und einfache Auswertung ermöglicht. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn im Augenblick der Erfassung weder der Verwendungszusammenhang noch der Wert der Information klar sind.


Schritte der Informations-Aufbereitung

  • Um den Informationsbestand leicht zugänglich zu machen und die spätere Auswertung zu erleichtern, müssen Informationen, insbesondere unstrukturierte Informationen in Dokumenten, verschlagwortet und gemäß ihrer Einordnung abgelegt werden.
  • Zusätzlich sind ggf. verschiedene Versionen eines Dokumentes zu unterscheiden. Hierfür werden häufig Dokumentenmanagement-Systeme genutzt. Dieser manuelle Prozess ist jedoch sehr arbeitsaufwändig und fehleranfällig. Daher kommen zunehmend Werkzeuge zum Einsatz, die diesen Prozess automatisieren.
  • Neben der automatischen Zuordnung zu Kategorien können gleichzeitig auch Hyperlinks innerhalb und zwischen Dokumenten automatisch gesetzt werden, so dass sich inhaltliche Zusammenhänge schneller erschließen. Anbieter für derartige Tools ist etwa die Firma Autonomy (www.autonomy.com). Darüber hinaus kann die Erstellung von Glossaren unterstützt werden.
  • An die systematische Informationssammlung und die geordnete Speicherung schließt sich die
  • Phase der problembezogenen Auswertung (puzzling) an, für die verschiedene Methoden zur Verfügung stehen. Im Hinblick auf das Erkenntnisziel steht der ** Erkundung von Wissensbeständen
    • die konkret formulierte Abfrage gegenüber.


Data-Mining und Text-Mining

Bezogen auf die Art der Basisinformationen kann zwischen Methoden für numerische Informationen und solche für textuelle Informationen unterschieden werden.

  • Als bedeutendste Vertreter für erstere sind statistische Methoden (Data Mining) zur Aufdeckung von Zusammenhängen und multidimensionalen Datenanalysen (OLAP = Online Analytical Processing) zu nennen.
  • Für das Text Mining stehen insbesondere Verfahren für die automatische Erstellung von Zusammenfassungen (Summary Building) sowie Textbeurteilungs-, Textvisualisierungs- und Suchverfahren zur Verfügung.


Software Tools

Viele der genannten Methoden finden Unterstützung durch geeignete Software Tools. Zu nennen sind vor allem (Produktname und Anbieter in Klammern):

  • Flexible Report-Generatoren (Crystal Reports von Seagate, www.crystaldecisions.com )
  • Data Mining (Intelligent Miner von IBM, www.ibm.com, Enterprise Miner von SAS Institute, www.sas.com ),
  • OLAP (Essbase Server von Hyperion Solutions, www.hyperion.com , Cognos, www.cognos.com , SAS Institute, www.sas.com)
  • Content Access Management einschließlich Search and Retrieval (Dynamic Commerce Server von Seecommerce, www.seecommerce.com, Portal in a box von Autonomy, www.autonomy.com )


Relevanz von BI für das E-Business

Die hohe Relevanz des BI Ansatzes für das E-Business ergibt sich aus folgenden Faktoren:

  • Durch die elektronische Abwicklung geschäftlicher Aktivitäten über das Internet fallen lückenlos alle benötigten Informationen von vorn herein elektronisch an. Dadurch entfällt das teilweise aufwändige Erfassen von Informationen. Vielmehr können die anfallenden Rohdaten direkt der automatischen Kategorisierung und dem Hyperlinking zugeführt werden.
  • Im E-Business sind die Mitbewerber aus der Sicht der Kunden nur einen Mausklick weit entfernt. Der dadurch deutlich höhere Wettbewerbsdruck erfordert eine sorgfältige Positionierung in einem globalen virtuellen Markt und daher die genaue Kenntnis des Wettbewerbsumfeldes. Die Nutzung von BI als Überlebensvoraussetzung liegt daher auf der Hand.
  • Aufgrund der sehr hohen Dynamik im E-Business Umfeld ist die ständige intelligente Beobachtung relevanter technologischer, sozioökonomischer und gesellschaftlicher Trends ein Muss.
  • Im Bereich der Kundenanalyse (CRM) ist die Analyse des Clickstreams der Kundenbesuche auf der/den eigenen Websites und/oder Webshops sowie ein entsprechendes Profiling im Rahmen eines BI Konzeptes unerlässliche Basis für die Erlangung von Wettbewerbsvorteilen.


Fazit

Das Feld der Business Intelligence beginnt sich gerade erst zu entfalten. Geeignete Technologien und Werkzeuge sind im Begriff, Anwendungsreife zu erlangen. Dabei dürfen die Herausforderungen und Probleme bei der Erarbeitung eines situativ geeigneten BI-Konzeptes und dessen Umsetzung nicht übersehen werden. Sollen angesichts der Vielfalt und Heterogenität der Methoden und Werkzeuge Fehlinvestitionen vermieden werden, so ist der Aufbau entsprechender eigener Kompetenz und/oder die Inanspruchnahme geeigneter Beratungsleistung vonnöten. Wer jedoch die Chancen umfassender Business Intelligence ungenutzt lässt, liefert einen Beitrag zur Gefährdung seiner Wettbewerbsfähigkeit.


Weiterführende Informationen

  • Liautaud (2000), "E-Business Intelligence"
  • Grothe (1999), "Aufbau von Business Intelligence"
  • Heuer (1999), "Psychology of Intelligence Analysis"
  • Central Intelligence Agency 2000, "Factbook on Intelligence".


Autor: Paul Holger Klee

Persönliche Werkzeuge