Content Syndication

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Inhaltsverzeichnis

Definition

Der Begriff Content Syndication - auch Syndizierung von Inhalten - ist seit langem aus dem Verlags- und Medienbereich bekannt.

Es kann folgende weite Definition gegeben werden: Bei der Content Syndication handelt es sich um die Mehrfachverwendung informatorischer Inhalte. Für die Syndizierung eignen sich nahezu alle Arten von Informationen, wie z. B. Texte, Graphiken, Fotos, Klänge, Filme und Videos. Prägnantes Beispiel ist auch eine besondere Gattung dieser Informationen, die Marken. Auch Computersoftware eignet sich grundsätzlich für die Mehrfachverwendung. Sie soll jedoch aufgrund ihres technisch funktionalen, meist inhaltsarmen Charakters qua definitione ausgeschlossen werden.

Prinzipiell kann zwischen entgeltlicher und unentgeltlicher Mehrfachverwendung unterschieden werden.

Im Unterschied dazu handelt es sich beim Content Management um die Erzeugung und Verwaltung (Versionierung, Freigabe, Bereitstellung und Archivierung etc.) von Inhalten für die Verwendung in Verlagsprodukten (auch für das Internet). Content Management kann also als Mittel der Content Syndication gesehen werden.


Detail

Bei der Content Syndication treten typischerweise mehrere Beteiligte auf, die unterschiedliche Rollen einnehmen:

  • Content Erzeuger (Autoren, Fotografen, Komponisten etc.) produzieren Inhalte und geben diese als Urheber für die wirtschaftliche Nutzung frei.
  • Content Geber halten dauerhafte Nutzungs- und Verwertungsrechte, vergeben Lizenzen, sind jedoch nicht die Contenterzeuger.
  • Content Broker stellen die marktlichen Beziehungen zwischen den Contenterzeugern und den Contentverwendern her. Sie sind reine Absatzmittler.
  • Content Provider können je nach Stufe einer Wertschöpfungskette sowohl die Contenterzeuger als auch die Contentbroker sein. Darüber hinaus gibt es Contentanbieter, deren geschäftlicher Hauptzweck nicht in dem massenhaften Handel mit Inhalten besteht, können als Contentverwender bezeichnet werden. Sie reichern etwa eigenerzeugten Content mit zugekauftem Content an, um das Gesamtangebot abzurunden oder attraktiver zu gestalten.
  • Content Verwender schließlich geben den Content nicht aus kommerziellen Gründen weiter sondern verwenden ihn zur Nutzenerschließung.

Dabei kann ein Unternehmen durchaus mehrere Rollen inne haben. Unterschiedliche Zwecke der Content Syndication können in der Umsatzerzielung, der Kosteneinsparung, der Steigerung des Bekanntheitsgrades sowie der Förderung spezieller Kommunikationsziele liegen.


Motive für die entgeltliche Mehrfachverwendung

Aus der jeweiligen Sicht der Beteiligten betrachtet ergeben sich an Motiven:

  • Contentanbieter erhoffen sich breitere Absatzmöglichkeiten und damit Erlössteigerungen. Dies gilt auch, wenn der zugekaufte Content lediglich das eigene Angebot aufwerten soll (Absatzförderung).
  • Contentbroker bauen ihr Geschäftsmodell auf der Ware Information auf und profitieren ebenfalls von der Mehrfachvermittlung oder vom Mehrfachverkauf.
  • Contentverwender kommen in den Genuß günstiger Preise.


Verwendungsarten

Im Hinblick auf den Verwendungszusammenhang ergeben sich verschiedene Verwendungsarten:

  • Unveränderte Weitergabe
  • Veränderte Weitergabe
  • Kombination zu neuen Angeboten (Sortimentsbildungs- oder Baugruppenansatz)

Bezüglich der Bereitstellungsformen lassen sich unterschiedliche Portionierungen feststellen. So gibt es etwa Wetterberichte oder Pressemitteilungen in unterschiedlicher Länge und Ausführlichkeit.

Aus prozessualer Sicht kann zwischen Push und Pull sowie zwischen Zeit- und Ereignissteuerung unterschieden werden.

  • Bei Push-Angeboten aktualisiert der Anbieter selbständig die Inhalte (Abonnement).
  • Bei dem Pull-Verfahren hingegen bestimmt der Abnehmer den Zeitpunkt möglicher Aktualisierungen.
  • Von Zeitsteuerung wird gesprochen, wenn die Aktualisierung in regelmäßigen Abständen vorgenommen wird.
  • Bei der Ereignissteuerung sind die Aktualisierungszeitpunkte nicht aus dem Kalender, sondern aus inhaltlichen Kriterien abgeleitet.


Hebel der Syndizierung

Durch die im Vergleich zu materiellen Produkten tendenziell niedrigen Vervielfältigungskosten entsteht eine Hebelwirkung, die als Hebel der Syndizierung bezeichnet werden kann.

Für die unentgeltliche Mehrfachnutzung bzw. Verbreitung von Inhalten können Zeitvorteile und die Steigerung der Glaubwürdigkeit durch Content aus anerkannt kompetenten Quellen ausschlaggebend sein.

Typische Beispiele für häufig syndizierte Inhalte sind:

  • Wetterberichte
  • Börsenkurse
  • Sportergebnisse
  • Presseerklärungen und
  • Nachrichten im Sinne aktueller Meldungen zum Zeitgeschehen.

Typische Contenterzeuger und -broker sind Nachrichtenagenturen, wie z. B. Reuters oder DPA. Klassische Contentverwerter sind Verlage und Rundfunkanstalten.


Rechte im Rahmen der Content Syndication

Von großer Bedeutung ist die Struktur der Rechte. Als wichtigste Vertreter sind Urheberrechte, Verfügungs- und Verwertungsrechte sowie Haftungsfragen zu nennen. Die Struktur der Rechte wird im wesentlichen durch gesetzliche Regelungen und vertragliche Vereinbarungen geprägt. Sie ist auch verantwortlich für die Risikoverteilug in einer informatorischen Wertschöpfungskette. Neben den Haftungsrisiken für die Richtigkeit der Inhalte stellt der Wertverfall im Zeitablauf das größte wirtschaftliche Risiko dar. Die Halbwertszeiten des Contents können dabei nahezu die gesamte Bandbreite der Zeitdimension umspannen. So können Echtzeit Börsenkurse schon nach Sekunden nahezu wertlos sein wohingegen Klassische Werke der Weltliteratur über viele Generationen hinweg hohen Wert behalten.

Die Syndizierung macht an den Grenzen verschiedener Medien keineswegs halt. Im Gegenteil, je größer die Anzahl der medialen Kanäle (z. B. Print, TV, Kino, Web), desto größer die Möglichkeiten der Syndizierung. Insbesondere die elektronischen Medien eignen sich jedoch für Content Syndication.


Was macht Content Syndication im E-Business interessant?

Mit dem Internet als Medium werden Inhalte vergleichsweise schnell, einfach und kostengünstig verfügbar. Darüber hinaus sind die technischen und wirtschaftlichen Markteintrittsbarrieren mit dem Siegeszug des Internets nachhaltig gesunken. Nicht zuletzt deshalb sind - neben etablierten Anbietern, wie z. B. Bertelsmann oder Faktiva - zahlreiche neue Unternehmen entstanden, deren alleiniger Geschäftszweck Content Syndication im Internet ist. Beispiele hierfür sind: 4Content AG, Tanto AG und Contonomy AG.

Mit der Herausbildung offener technischer Standards für die Darstellung der Inhalte (z. B. XML und Derivate, wie z. B. NITF = News Industry Text Format, RSS = RDF Site Summary) und entsprechender Protokolle für den Informationsaustausch (z. B. HTTP und Derivate, SOAP = Simple Object Access Protocol, und ICE = Information and Content Exchange) werden diese Transaktionskosten weiter sinken.

Sind Inhalte erst einmal technisch richtig in das eigene Webangebot eingebunden, lassen sie sich automatisch zeit- oder ereignisgesteuert aktualisieren. Dadurch läßt sich die Aktualität des eigenen Angebots bei gering ansteigenden Kosten enorm steigern.

Mit der Verbreitung von Web-Shops (Shop) als Absatzkanal gewinnen zunehmend auch produkt- und leistungsbezogene Informationen an Bedeutung. Produktbeschreibungen der Hersteller werden durch Produkttestberichte unabhängiger Institutionen ergänzt. Beispiel: Die Hersteller von Produkten liefern tiefgestaffelte Produktinformationen an den Handel, die dieser mit herstellerübergreifenden warenkundlichen Informationen anreichert. Abgerundet wird dies mit redaktionellen Inhalten aus unabhängigen Medien. So können hochwertige virtuelle Shop-in-the-Shop Konzepte realisiert werden. Durch das Aufkommen neuer Clients in Form datenfähiger Endgeräte (M-Commerce) eröffnen sich weitere Syndizierungsmöglichkeiten und Herausforderungen, da ein breiteres Spektrum an inhaltlichen Zuschnitten (Portionierungen) und Formaten bedient werden kann bzw. muss. Dem Grundsatz ""write once publish many times" kommt damit immer größere Bedeutung zu, womit sich der Kreis zum Content-Management schließt.

Für die Effizienz der Abwicklung ist nicht zuletzt die Einfachheit und Transparenz der Bepreisungs- und Abrechnungsmodelle von Bedeutung. So spricht sich laut einer aktuellen Studie der Forschungsgemeinschaft Content Syndication die Mehrheit der Beteiligten für Pauschalmodelle aus. Pay-per-View Angebote werden bisher nur von einer Minderheit favorisiert.


Fazit

Bei der Content Syndication handelt es sich um ein vielschichtiges Phänomen. Die dynamische technische Entwicklung im Internet schafft zahlreiche neue Syndizierungsmöglichkeiten aber auch Herausforderungen. Auf dieser Basis lassen sich - neben der Umgestaltung der Publikationsprozesse etablierter Content Unternehmen - auch neue Geschäftsmodelle mit der Syndizierung als Kernprozeß sowie für unterstützende Serviceleistungen finden.


Weiterführende Informationen

  • Internet Professionell, Heft 3/2001, S. 64-69
  • Hess 2001,"Content Syndication"
  • Werbach 2000, "Syndication: The Emerging Model for Business in the Internet Era".


Autor: Paul Holger Klee

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