Elektronisches Publizieren

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Das Sachlexikon des Buches / Reclam Verlag (ISBN 9783150105429) von Ursula Rautenberg definiert Elektronisches Publizieren (engl. electronic publishing), wie folgt:

  • Herstellungs- und Vertriebsprozesse digitaler Publikationsformen (Publizieren). Maßgeblich für den Begriff ist somit nicht allein die elektron. Komponente (die auch bei analogem Radio oder Fernsehen gegeben wäre), sondern ihre digitale Form. E. galt bis in die 1990er Jahre als Synonym für Desktop Publishing und bezog sich auf die damals neuen Verfahren der Druckvorstufe (Digitale Medienproduktion), nicht aber auf das Publikationsmedium. Inzwischen wird E. im Grafischen Gewerbe v. a. mit den digitalen Druckverfahren (Non-Impact-Verfahren) in Verbindung gesetzt, die insbes. für die Printing on Demand-Buchproduktion (Book on Demand) von Bedeutung sind. Auch hier bleibt das herkömmliche Druckprodukt bestehen.
  • Mit der Entwicklung des World Wide Web und der damit verbundenen Privatisierung des Internet als Massenkommunikationsmittel hat sich der Begriff weitgehend von der Verlagsherstellung (Herstellung) gelöst. Deshalb setzt sich z. Z. eine Definition durch, die diesen Bereich der Verlagsherstellung als Elektronisch gestütztes Publizieren ausweist und E. für digitale Publikationsformen reserviert.
    • Hierzu zählen die weiterhin an materielle Datenträger gebundenen multimedialen Produktionen (Multimedia) auf Compact-Disc-Read Only Memory und Digital Versatile Disc, die sich über die bestehenden Distributionsschienen des Buchhandels verbreiten lassen (z. B. Bookware), sowie alle Veröffentlichungen im Internet, im digitalen Fernsehen und Radio, die digitale Daten online bereitstellen. In diesem Fall werden die bestehenden Handelsstrukturen umgangen.
    • Auch das Buch erscheint hier in seiner virtuellen Form als Elektronisches Buch, d. h. als Datei, die ebenfalls über das Internet distribuiert wird. Schwachstelle dieser Publikationsform, die das Buch substituieren soll, ist bislang die mangelnde Flexibilität, Qualität und Praktikabilität der Ausgabegeräte, die ein Lesen längerer Texte nicht erlauben. Es sind bereits Foliendisplays (Elektronisches Papier) in der Entwicklung, die später einmal dem Papier in Handhabbarkeit und Darstellungsqualität sehr nahe kommen sollen.
  • Die zunehmende Bedeutung des E. verändert die Aufgaben der Buchverlage, denn die Multimedialität löst die scharfe, durch die Art des Produktes bestimmte Abgrenzung zu anderen Medienhäusern wie Musikverlagen (Musikalienbuchhandel), Film- und Fernsehproduzenten auf. Inhalte lassen sich, da sie in der Herstellung ohnehin digital verarbeitet werden, in ver¬schiedenen medialen Formen veröffentlichen (Cross Media Publishing). Häufig werden sie hierzu in Datenbanken gespeichert, können von dort aus zu unterschiedlichen Produktformen zusammengesetzt und zentral aktualisiert werden (Database Publishing). Verlage werden daher inzwischen auch als Content Provider bezeichnet.
  • Ein grundlegendes Problem des E. ist indes der Kopierschutz. Digitale Daten lassen sich beinahe kostenneutral und ohne Qualitätsverlust vervielfältigen. Elektron. Publikationen unterliegen zwar denselben urheberrechtlichen Bestimmungen (Urheberrecht) wie andere Publikationen auch, doch sind der Schutz der Rechte und die Verfolgung des Missbrauchs wegen der immateriellen Verbreitung und der Anonymität der Nutzer sehr viel schwieriger umzusetzen. Die 1996 von der »World Intellectual Property Organization« (WIPO) ausgehandelten Verträge zur globalen Harmonisierung der Bestimmungen zum Bezug elektron. Publikationen (Right of making available) wurden 2002 noch nicht von der EU ratifiziert, da zunächst die nationalen Gesetze der Mitgliedsländer geändert werden müssen. Maßgeblich hierfür ist die »EU Richtlinie zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft« vom Mai 2001. Parallel zu den gesetzlichen Novellierungen sind die Hersteller bemüht, sich mit Hilfe von Verschlüsselungstechniken, digitalen Wasserzeichen und Benutzerregistrierungen vor illegalen Kopien zu schützen, doch sind solche Maßnahmen kaum mehr als erste technische Hürden, die von versierten Spezialisten (»Hacker«) nach einiger Zeit überwunden werden können. Über die dann ungeschützten Produkte hat der Verlag keine Kontrolle mehr. D. Wetzel
  • Literatur:
    • Electronic Publishing, Hrsg. Stefan Haupt, München, 2002;
    • Electronic publishing strategies, Brian and Margot Blunden, Leatherhead, 1997;
    • Frühschütz, Jürgen: Dynamik des elektronischen Publizierens, Frankfurt a. Main, 1997;
    • Kipphan, Helmut: Handbuch der Printmedien, Berlin / New York; 2000, 1023–1044.
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