Kopierschutz bei digitalen Produkten

Aus P3wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Hat Digital Rights Management Zukunft?

Es war einmal ein wackerer Kunde, der sich in einem amerikanischen Online-Hörbuch-Shop John Banvilles Roman The Sea besorgte. Nachdem er die Datei auf seinen Computer geladen hatte, wollte er sie anhören. Doch diese war mit keinem auf seinem Rechner installierten Player und schon gar nicht mit seinem MP3-Player kompatibel. Im Hirn des Kunden rasten Satzfetzen hin und her: „Nie wieder Hörbuch!“, „Wo bleibt die Gerechtigkeit?“ „Warum gibt es keine Welt ohne Bücher?“ Seit diesem Moment hat sich ein Begriff in seine Gedanken eingebrannt: Digital Rights Management (DRM), dazu noch eine Frage: „Kontrolle der Nutzung digitaler Inhalte oder Kunden-Verarsche?“

Irgendwo beides, dachte sich der wackere Kunde – übrigens der Schreiber dieser Zeilen – und versuchte sich zu beruhigen. Nun aber sachlich bleiben und nachdenken: Wozu gibt es DRM eigentlich, wem nützt es, wer würde es lieber aus der Welt geschafft wissen, und schließlich: Wie geht das Sortiment damit um?


Die Vernunft hinter DRM

Eigentlich ist DRM eine logische Entwicklung: Während sich für geschriebene, gedruckte Texte im 19. Jahrhundert ein Bewusstsein für deren Originalität und damit das Urheberrecht entwickelte, das auch das Verhältnis von Autor und Nutzer regelt, ist solch ein Regel-, vielmehr Kontrollsystem auch für digitale Texte notwendig, die zwar auch dem Urheberrecht unterliegen, deren Nutzung aber schwieriger zu kontrollieren ist als die von gedruckten Texten. DRM regelt also das Verhalten des Lesers/Hörers, um unrechtmäßiges Kopieren zu unterbinden. So scheint es zumindest. Die Branche zerbricht sich gerade den Kopf darüber, inwiefern DRM tatsächlich notwendig ist. Einen Nachteil (oder Vorteil aus der Sicht der Kunden) hat elektronischer Content: Im Vergleich zu gedruckten Texten kann man ihn relativ leicht vervielfältigen – was man mit Texten auf Papier natürlich auch kann, aber selbst wenn man sein Buch in den Kopierer legt, müssen die Kopien erst unter die Leute gebracht werden – vom möglichen Qualitätsverlust der Kopien ganz abgesehen.


Funktioniert DRM in der Buchbranche?

DRM hat aber nicht nur Anhänger, sondern auch Skeptiker und Gegner. Der Missbrauch von digitalen Inhalten könne damit nicht gestoppt werden, weiters bleibe deren Einsatz auf bestimmte Endgeräte beschränkt. Für Random House USA oder den HörVerlag Grund genug, auf Kopierschutzmechanismen zu verzichten, freilich nicht ohne das Nutzerverhalten zu beobachten: Sollten Missbrauch und Piraterie zunehmen, wird man entsprechend reagieren.

Noch dazu hat DRM bislang nicht Schule gemacht, vor allem wenn man auf die vergeblichen Mühen der Musikindustrie blickt, mittels DRM das Raubkopieren zu unterbinden. Warum, so der oft gehörte Einwand, sollte also etwas in der Buchbranche funktionieren, das schon in der Musikindustrie zum Scheitern verurteilt war?


Und DRM im Sortiment?

Hätte ich das Hörbuch in einer adretten Buchhandlung gekauft, wäre ich am nächsten Morgen hinmarschiert und hätte ein strenges Gesicht gemacht. Ein mangelhaftes gedrucktes Exemplar hätte ich umgetauscht, aber bei einer von DRM heimgesuchten CD bringt auch der Umtausch nichts. Mit anderen Worten: DRM ist nicht kundenfreundlich, weil es den Kunden im Umgang mit dem Medium einschränkt. Mitunter hat man es als Sortimenter also mit verärgerten Käufern zu tun. Die kann man aber zumindest auf Anbieter verweisen, die – siehe oben – auf Kopierschutz verzichten. Womöglich ist es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis die Idee DRM wieder verschwunden und durch unauffälligeren Kopierschutz ersetzt ist.

Als Alternative böte sich das digitale Wasserzeichen an, das lediglich den Erstbesitzer eines E-Books kenntlich macht. Das ist natürlich keine Absicherung gegen Kopierer, hat aber mindestens einen psychologischen Effekt, weil es das Produkt als das Eigentum von jemand anderem ausweist.


Der Autor

Ernst Grabovszki arbeitet im Verlag SpringerWienNewYork,als freier Autor und unterrichtet an der Universität Wien im Fach Vergleichende Literaturwissenschaft (Infos: www.grabovszki.com [1]).

Persönliche Werkzeuge