Open Source Software
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Definition
Quell-offene Software, Computerprogramme, deren Programmcode (Quellcode) offengelegt wird und von jedem kostenlos genutzt und dafür auch verändert werden kann. Auch als Freie Software bezeichnet.
Beispiele
Linux
Ins Bewusstsein einer größeren Öffentlichkeit ist der Begriff der Open-Source Software mit dem Erfolg des Betriebssystems Linux getreten. Das Besondere daran:
- Es gibt keine Firma, die als Hersteller hinter dem Produkt Linux steht.
- Für Linux sind keine Lizenzgebühren zu entrichten.
- Die Programmquellen sind öffentlich zugänglich.
- Jeder kann an der Entwicklung des Betriebssystems und der dazugehörigen Programme mitarbeiten.
Apache-Webserver
Linux ist nicht das einzige Softwareprodukt, das nach diesem Open-Source Verfahren entwickelt wurde, ein weiteres prominentes Beispiel ist der Apache-Webserver, die Webserver-Software mit dem weltweit größten Marktanteil, der nicht nur für Linux, sondern auch für andere Betriebssysteme wie Microsofts Windows 2000 und Solaris von Sun erhältlich ist.
Detail
Die Entwicklung von System- und Anwendungsprogrammen ist ein aufwendiges Unterfangen, es stellt sich also die Frage, warum jemand Software entwickelt, für die er keine Lizenzerlöse erwarten kann:
Ursprünglich hatten die Entwickler einfach Softwaremodule entwickelt, die sie selbst für ihre Arbeit benötigten und die es noch nicht gab oder die ihnen zu teuer waren. Indem sie diese Programme Anderen zur Verfügung stellten, konnten folgende Effekte zum Tragen kommen:
Geringe Verbreitungskosten
Da digitale Produkte in einem Netzwerk extrem günstig transportiert und vervielfältigt werden kann, entstehen praktisch keine Kosten für diese Weitergabe.
Kooperative Effekte
Durch die Zusammenarbeit einer größeren Zahl von Entwicklern, durch die dadurch ausgelösten umfangreichen Tests und Weiterentwicklungen entstehen Produkte mit hoher Qualität und besserer Leistung, als bei einer zentral gesteuerten Entwicklung durch kleine Gruppen. Dabei ist diese Weitergabe der Programmquellen für die ursprünglichen Entwickler nicht mit finanziellen Nachteilen verbunden: Ihren Zweck haben sie bereits erfüllt, die Weitergabe ist praktisch mit keinen Kosten verbunden und Lizenzerlöse sind in der Regel auch keine zu erwarten oder nur in Verbindung mit einem erheblichen Marketing- und Vertriebsaufwand.
Wie finanzieren sich heute Open-Source Softwareprojekte?
- Durch die Mitarbeit von Studenten und Hochschulangehörigen, die nicht auf Einnahmen aus dem Verkauf der Software angewiesen sind, oder durch eine Finanzierung im Rahmen von Forschungsprojekten; unter diesem Aspekt haben Open-Source Softwareprojekte einen ähnlichen Status wie die öffentich finanzierte Forschung.
- Viele Arbeiten resultieren aus dem Eigeninteresse der Entwickler, die die Produkte ihrer Entwicklung selbst nutzen oder für die die Mitarbeit an einem Open-Source Projekt als Nachweis ihrer Kompetenz und Leistung dient.
- Viele Unternehmen finanzieren eine Mitarbeit an solchen Projekten, da sie Dienstleistungen oder Folgeprodukte auf der Basis von Open-Source Softwareprodukten anbieten.
- Eine weitere Möglichkeit, die heute noch wenig praktiziert wird, ist die Entwicklung von Individualsoftware, die auf bestehenden Open-Source Modulen aufbaut und selbst wieder offengelegt wird. Hier wird die Entwicklung durch den Auftraggeber finanziert, der auf diese Weise nicht nur die von ihm selbst beauftragten Module erhält, sondern auf den gesamten Fundus des Projekts zurückgreifen kann.
Beispiele für Unternehmens-Engagement
Bespiele für Unternehmen, die sich in Open-Source Projekten engagieren sind
- die IBM, die mittlerweile ein Milliardenbudget für Dienstleistungen und Produkte im Linux-Bereich bereitgestellt hat und Linux für seine S/390-Hochleistungs-Rechner anbietet,
- Softwareanbieter wie Lutris - ein Hersteller von Application Server Software und
- die Anbieter von Linux-Distributionen wie Red Hat und - in Deutschland - SuSE; letztere liefern auch andere Module wie den Apache Webserver installationsbereit mit.
Vorteile von Open-Source Software
- Keine Lizenzgebühren
- Hohe Qualität der Software
- Es wird das entwickelt, was tatsächlich benötigt wird
- Modularität: Die Produkte bestehen aus relativ kleinen, flexibel kombinierbaren Einheiten; dadurch ergibt sich auch eine hohe Wiederverwendung von einmal entwickelten Komponenten
- Einfache Weiterentwicklung entsprechend den Bedürfnissen der Anwender
- Keine Probleme mit Abrechnungsmodellen und Überwachung bzw. Registrierung der Benutzung
Nachteile und problematische Aspekte
- Die Geschäftsmodelle sind in den meisten Fällen (noch) nicht klar oder unzureichend entwickelt. Damit ist ein Engagement in diesem Bereich in der Regel mit einem hohen Risiko verbunden.
- Ein Open-Source Projekt braucht eine ausreichend große Zahl von Entwicklern und Nutzern der Software (kritische Masse).
- Die Organisation und die Entscheidungsprozesse in Open Source Projekten sind nicht einheitlich.
Fazit
Dem Open-Source Phänomen liegen besondere Regeln der Informationswirtschaft zugrunde, die insbesondere aus der kostengünstigen Vervielfältigung und Verbreitung resultieren. Die Auseinandersetzung mit diesen Effekten und Verfahrensweisen ist für alle Unternehmen wichtig, da sie der Markt fordert und nutzt. Sie können außerdem zu interessanten Qualitäts- und Leistungsverbesserung führen, auch wenn sie teilweise massiv im Widerspruch zu klassischen marktwirtschaftlichen Prinzipien zu stehen scheinen.
Der Nutzung von Open Source Software wie dem Betriebssystem Linux und dem Apache-Webserver ist gerade im E-Business-Umfeld eine kostengünstige Möglichkeit, leistungsfähige und stabile Anwendungs- und Systemsoftware zu erhalten.
Darüberhinaus bieten Open Source Software und die dahinterstehenden ökonomischen und organisatorischen Effekte interessante Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle und Organisationsformen.
Weiterführende Information
- Moody 2001, "Die Software-Rebellen"
- Raymond 2001, "The Cathedral and the Bazaar"
- Gosh 1999, "Kochtopfmärkte".
Autor: Helmut Merz

