Stand Verlagssoftware 2008
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Übersicht Verlags-Software
Im März 2008 hat `Brunold + Partner´ (Berlin) eine Umfrage bei den Anbietern vorn Verlags-Software durchgeführt. Die Umfrage konzentrierte sich auf Komplett-Lösungen, die unter den Betriebssystemen WinNT und Unix lauffähig sind. Vereinzelt können die betrachteten Anwendungen auch unter OS-2 auf Mac-Rechnern eingesetzt werden. Einige Lösungen sind Web-fähig.
Programme aus der AS-400-Welt wurden nicht berücksichtigt, da diese Plattform technologisch veraltet und bei Verlagen nicht stark verbreitet ist. Anbieter mit Speziallösungen, die sich nur auf ein einziges Anwendungsgebiet konzentrieren, etwa auf die Anzeigenauftragsverwaltung oder die Produktplanung, wurden ebenfalls nicht einbezogen.
Betrachtete Lösungen
Folgenden 17 Softwarehäusern haben auf die Anfrage geantwortet und werden nachfolgend dargestellt:
- bookhit GmbH, Drensteinfurt
- BuSS-EDV GmbH, Rödermark
- Fornoff und Heintzenberg GmbH, Umkirch
- frevel & fey Software Systeme GmbH , München
- Henke & Partner / HUP AG, Braunschweig
- Intermedia Softwarelösungen GmbH & Co. KG, Böblingen
- Juni.com GmbH & Co. KG, Friedrichsdorf
- KIS – Kommunikations- und Informationssysteme GmbH, Ingolstadt
- Klopotek & Partner GmbH, Berlin
- MSH Medien System Haus GmbH & Co. KG, Stuttgart
- MS-Software GmbH, Essen
- ORGA GmbH; Karlsruhe
- SAP AG, Walldorf
- Sinobit GmbH, Norderstedt
- Synthesis business solutions GmbH, Waiblingen
- SVS Software und VerlagsService GmbH, Hamburg
- Triagon Software GmbH, Berlin
Funktionelles Angebot der Software für Verlage
Funktionalitätsumfang
Die Kerngeschäftsprozesse eines Verlages, Auftragsabwicklung (Buch/Reihen, Abonnement, Loseblatt und Anzeigen), Marketing und Produktentwicklung und Herstellung, werden durch die am Markt vorhandene Verlags-Software breit unterstützt. Die Unterschiede zeigen sich innerhalb der einzelnen Module darin, dass die Pakete eine unterschiedliche Tiefe der Funktionalität aufweisen.
Auftragsabwicklung
Alle Anbieter weisen die notwendigen Funktionen für den Bereich der Auftragsabwicklung für das klassische Verlagsgeschäft (Buch, Abo, Anzeigen) auf. Sie bieten meist Unterstützung vom Angebot über den Auftrag, die Rechnung bis hin zu Versand und Lagerhaltung. Leistungsunterschiede zwischen den Lösungen zeigen sich vor allem in folgenden Bereichen:
- Nur wenige Lösungen sind in der Lage, die Anforderungen des Bereichs Verkauf und Distribution eines Großverlags oder gar eines international agierenden Konzerns zu erfüllen.
- Bei vielen Lösungen fehlt ein komplexes Adress-Modell, wie es u. a. für das Geschäft mit internationalen Großkunden oder Wissenschaftlichen Bibliotheken notwendig ist.
- Die Abbildung von Blended-Products (Kombination nahezu aller denkbaren Verlagsprodukte) von der flexibel einstellbaren Produktstruktur, über die Handhabung in der Auftragsabwicklung oder der Ausprägung der Statistik dafür wird nur von wenigen Lösungen und dann nicht durchgängig unterstützt
- Die Auftragsabwicklung von Online-Produkten steht, mit wenigen Ausnahmen, noch in den Anfängen.
Marketing
Features wie Zielgruppen-Selektion, Kampagnen-Management und Werbe-Erfolgsrechnung gehören heute zum Standard. Die Unterstützung des Customer Relationsship Management hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Von vielen Häusern wird die Verkäufer-Unterstützung für den Telefonverkauf angeboten. Die systematische Unterstützung des Key Account Management oder die Ausprägung von Web-Portalen für den Kunden sind Highlights, die noch nicht von jeder Lösung angeboten werden.
Produktentwicklung und -herstellung
Zwar wird die Funktionalität von vielen Softwarehäusern als vorhanden angegeben. Titel- und Autoren-Auskunftsystem, sowie die Vertragsverwaltung mit Honorarabrechnung sind meist in ausreichender Tiefe verfügbar. Schwächen zeigen sich in den Bereichen Programmplanung, durchgängige Projektsteuerung oder der Integration der Kalkulation in die Kostenrechnung. Nur in wenigen Fällen lassen sich die Workflows der Produktkette automatisieren oder durch Monitoring-Systeme überwachen. Die enge Integration von Content Management Systemen in die Abläufe von Lektorat und Herstellung besitzt noch Seltenheitswert.
Business Intelligence
Auch mit einer, ein Statistik-Systeme übersteigende, Business Intelligence Lösung können nur wenige Anbieter aufwarten. Integration von BI in alle Anwendungen und durchgängige Ausprägung der BI-Funktionalität (Datawarehouse, Data Mining etc.) hat noch Seltenheitswert.
Technisches Konzept
Wichtigste Trends
Aus den Antworten der Softwarehäuser lassen sich drei Trends ableiten, welche die kommenden Jahre bestimmen und die Verlagssoftware revolutionieren werden
- Trend 1: Serviceorientierte Architekturen, deren Schichtenmodell es u.a. zulässt, unterschiedliche Anwendungen zu einer prozessübergreifenden Gesamtanwendung zu integrieren
- Trend 2: Ausrichtung der Software an den Geschäftsprozessen, deren flexible Einrichtbarkeit, automatisierte Workflows auf Basis einer Workflow-Engine
- Trend 3: Web-Business-Integration, etwa durch Web-Services oder eigenständige Web-Anwendungen.
Grafische Oberfläche
Die Oberflächen sind meist in hohem Maße benutzerfreundlich und können an die User-Bedürfnisse angepasst werden (Konfiguration von Masken, Attributen etc.). Nicht nur rollenspezifische Ausprägungen der Oberfläche sind möglich (Nutzerprofile; Personalisierung), einige System lassen die Anpassbarkeit der Oberfläche an die Gegebenheiten des Geschäftsprozesses zu. Fast alle Anbieter stellen umfangreiche Online Hilfen zur Verfügung.
Betriebssystem
Die Anbieter konzentrieren sich auf Unix und WinNT als Betriebssysteme der Server. Am Arbeitsplatz wird meist auf Windows, in zunehmender Weise auf Linux, in seltenen Fällen auf MacOS (findet im Bereich der kommerziellen EDV-Angebote für Verlage nur wenig Einsatz) gesetzt. Viele von Ihnen unterscheiden außerdem zwischen
- anwendungseigenen Clients, die alle Funktionen der Software zulassen und
- Web-Clients, die zwar nicht alle Funktionen zulassen, dafür jedoch von jedem Platz der Welt aus bedienbar sind.
Datenbanken
Fast jeder der Anbieter kann mindestens eine der Standard-Datenbanken unterstützen: MS-SQL-Server oder Oracle. Durch die Konzentration auf eines dieser Produkte ist eine gute Expertise bei der jeweils anderen Datenbank meist nicht gegeben.
Technische Kompetenz
Obwohl die eingesetzte Basistechnologie häufig ähnlich ist, weisen die Softwarehäuser durchaus unterschiedliche technische Kompetenz auf. Die Mehrzahl der Pakete hat ihren Einsatzschwerpunkt in kleinen bis mittleren Verlagen (1 – 50 Arbeitsplätze) und kommt für große Verlage nicht in Frage. Etwa die Hälfte der Lösungen unterstützen technisch sicher eine Zahl von mehr als 100 Arbeitsplätzen.
Einführungskompetenz
Die Einführung der Systeme erfolgt deutlich professioneller als noch 2002. Viele der Softwarehäuser verfügen über eine bewährte Projektmanagement-Methode für die Einführung. Die Systeme sind vorkonfiguriert, sodass ein schneller Start möglich wird.
In den Anfängen steckt noch die Verfügbarkeit von Standardprozessen, deren Modellierung in Prozess-Werkzeugen, sowie die Übertragung der Prozessmodelle in die Software. Dies wird sich in den kommenden Jahren bei den großen Softwarehäusern durchsetzen und den Einführungsprozess nochmals vereinfachen und beschleunigen lassen.

